KOKORU-Projekttage «Sterbe, Tod - und mir stönd z'mitzt im Läbe»

Im Rahmen des Religionsunterrichtes haben die SchülerInnen der 1. und 2. Oberstufe Elgg einen abwechlsungsreichen und gleichzeitig anspruchsvollen Projekttag erlebt. Sie besuchten den Friedhof und das Krematorium Rosenberg in Winterthur und führten Gespräche mit Menschen, die im Kantonsspital Winterthur arbeiten.

«Warum dieser Projekttag? - Ich lebe ja noch und will leben!»


So eine Äusserung eines Schülers vor dem Projekttag. Sie zeigt Skepsis, sicher auch Widerstand gegen das Thema. Die Auseinandersetzung mit Krankheit, Sterben und Tod ist für Jugendliche keine leichte Kost, sie wünschen sich eine blühende Zukunft und möchten - wie viele Erwachsene - nicht an das Verwelken erinnert werden. Dass Unfälle mit schwerwiegenden Folgen auch das Leben eines Jugendlichen von einem Moment auf den anderen verändern, dass Krankheit in der Familie ein ganzes Gefüge aus den Angeln heben kann - das wissen die Jugendlichen zwar, schieben es aber lieber zur Seite.

Ziel des Projekttages war eine möglichst schonende Annäherung an die Tatsache, dass menschliches Leben begrenzt ist. Ziel war, dass Jugendliche - auch in der Aufbauphase ihres Lebens - sich mit Verdrängtem auseinander setzen und lernen, in dieser heiklen Thematik eine persönliche Stellung einzunehmen. Ein anspruchsvolles aber lohnendes Ziel, dessen waren sich die ReligionslehrerInnen bewusst, die den Tag organisiert haben.

Im Zentrum: Begegnungen mit Menschen


Beim Besuch des Krematoriums und dem Friedhof Rosenberg, bei den anschliessenden Gesprächen mit MitarbeiterInnen des Kantonsspitals Winterthur standen die Begegnungen mit Menschen im Zentrum, die sich tagtäglich mit der Endlichkeit konfrontiert sehen.

Im Rosenberg weckte das Krematorium die grösste Aufmerksamkeit der SchülerInnen. Gleichzeitig erschreckte sie die Sicht «hinter die Kulissen». Die einfühlsamen Berichte von den MitarbeiterInnen machten deutlich, dass mit grossem Engagement Menschen in Trauer und Leid begleitet werden. Sie zeigten auch, dass die dort Beschäftigten sich immer wieder mit FreundInnen aussprechen müssen, wollen sie seelisch ihr Gleichgewicht nicht verlieren.

Im Kantonsspital waren SeelsorgerInnen, die Fahrer der Rettungshilfe mit ihren Ambulanzfahrzeugen, Vertreter des Pflegedienstes und der Krebshilfe Gesprächspartner der Jugendlichen. Sie stellten ihren Auftrag ins Zentrum der Gespräche: Menschen fähig machen, mit leidvollen Lebenssituationen umgehen zu können. Dabei kamen auch Situationen zum Vorschein, die bei den Jugendlichen ein Schmunzeln auf das Gesicht zauberten. Untereinander tauschten die Jugendlichen in der Ruhephase in der Spitalkirche Erfahrungen und Gedanken aus. Ein Blick ins Gebetbuch in der Kirche, in dem PatientInnen und Anghörige ihre Bitten und ihren Dank zum Ausdruck bringen, lässt ahnen, wie tief die Erlebnisse beim Abschied und bei der Genesung für die Betroffenen gehen.

Verarbeiten.... und nochmals verarbeiten


Die Jugendlichen hatten am Nachmittag Gelegenheit, die Eindrücke vom Morgen zu verarbeiten.

Bilder wurden gemalt, Texte verfasst, Collagen geklebt und Kerzen verziert. Dazu kommt die Vertie-fung in den folgenden Stunden im Religionsunterricht.

Wenn Krankheit, Sterben und Tod ins Leben hineingenommen werden, wenn sie als Teil des Lebens akzeptiert werden - wenn auch auf mühevollen Wegen, dann verändert sich die Optik des Lebens.

Wir danken der Lehrerschaft der Oberstufe und der Schulpflege für ihre Unterstützung und Mitarbeit bei den Projekttagen!

E. Hänzi, Pfr.