KOKORU-Projekttage 2005

«Weisch, was Andersch-sii heisst?»
Die Schülerinnen und Schüler der 1. und 2. Oberstufe Elgg haben im April, im Rahmen der KoKoRu Projekttage Instituionen besucht, wo Behinderte leben und/oder arbeiten. Mit gemischten Gefühlen fuhren die Jugendlichen an die Orte. „Mir war es nicht so wohl, als ich heute daran dachte. Noch unwohler fühlte ich mich unmittelbar vor dem Treffen mit den Behinderten." Den meisten ging es ähnlich. Etwa jenen drei Mädchen, die beim Besuch in der Sonderschule Ilgenhalde unbedingt zusammenbleiben wollten. Es kam dann ganz anders. Mit sanfter Bestimmtheit teilte der Schulverantwortliche die neun Jugendlichen einzeln in die Klassen ein. Denn eine Klasse von sechs SchülerInnen verträgt höchsten ein bis zwei Besucherinnen. Die Herausforderung war also gross. Wie sollen die Jugendlichen den Behinderten begegnen? In der Vorbereitung haben sie einige grundlegende Verhaltensregeln gelernt:

  • So selbstverständlich wie möglich reden, handeln, sich benehmen.
  • Behandle dein Gegenüber wie du selbst gerne behandelt werden möchtest.
  • Ein Mensch mit geistiger Behinderung ist ein Mensch wie du und ich - mit gleichen Bedürfnissen, aber anderen Voraussetzungen, die berücksichtigt werden sollen.
  • Menschen mit geistiger Behinderung in Entscheide einbeziehen und ihnen genügend Zeit zum Reagieren/Antworten lassen.
  • Direkt mit Menschen mit geistiger Behinderung sprechen.
  • Fragen sind legitim, Nachfragen wichtig (nicht nicken, wenn man nicht verstanden hat.
  • Mit Menschen mit geistiger Behinderung darf man herzhaft lachen, niemals aber über sie!

Die Möglichkeiten der Begegnung waren je nach Institution ganz unterschiedliche. An manchen Orten konnten die Jugendlichen in den Werkstätten mitarbeiten. Da gab es Leimtuben zum einpacken, kleine Ersatzteile für Hörgeräte abzuzählen oder Metallteile oder Holzteile zu bearbeiten. Das wichtigste war aber das Gespräch während der Arbeit. Es wurde oft gelacht und die anfängliche Scheu der SchülerInnen verflog im Nu.

„Nach einiger Zeit fühlte ich mich sehr wohl. Was mich am meisten beeindruckt hat, waren die Besuche in den Werkstätten. Ich habe gesehen, dass es den Menschen gut ging."

„Die Menschen sind eigentlich nicht viel anders als wir. Mich hat es sehr beeindruckt wie die einen sich über sehr einfache Sachen oder Komplimente gefreut haben." „Es überraschte mich, dass die einen Leute mit schweren Behinderungen doch sehr gut leben können. Vor allem beeindruckte mich, dass schwer behinderte Menschen, die nicht reden können, sich doch mit verschiedenen Hilfsmitteln gut verständigen können."

Wie die Verständigung und das Gespräch möglich ist auch ohne zu hören, lernten die SchülerInnen im Gehörlosendorf in Turbenthal. Frau Brunner, Sozialarbeiterin und selbst gehörlos, hielt einen Vortrag ohne ein Wort zu sprechen. Ihre Stimme war die Dolmetscherin die die Gebärdensprache simultan in unsere Sprache übersetzte. So hörten wir einen fliessenden und äusserst spannenden Vortrag über die Möglichkeiten als Gehörlose zu kommunizieren. Dabei erführen wir, dass es auch in der Gebärdensprache Dialekte gibt und sich die Gebärden ständig weiterentwickeln. Etwas Schwierigkeiten bereitete den Schülerinnen ihren Namen in der Handzeichensprache zu „schreiben". Am Schluss konnte Frau Brunner aber doch die etwas kryptischen Zeichen entziffern und die Namen herausfinden.

Für viele die SchülerInnen und Begleitpersonen bleibt ein Tag in Erinnerung wo sie über ihren eigenen Schatten springen mussten und erfahren durften, dass behinderte Menschen so sind wie wir alle, nur etwas anders.

Ganz herzlich danken wir für den Institutionen, die wir besuchen durften, für ihre Offenheit und ihr Engagement uns diese Begegnungen zu ermöglichen. Wir danken der Stiftung Schloss Turbenthal (Gehörlosendorf), dem Sonderschulheim Ilgenhalde, dem Züriwerk Bubikon, der Pigna, Kloten und Bülach, der Brühlgutstiftung, Winterthur und der Stiftung Sonnenhalde, Münschwilen.

Elsbeth Abegg, Pfrn. Ernst Hänzi, Pfr. Martin Pedrazzli, Gdl.