Interview mit dem Küchenchef vom Hotel «Belvedere»
Wie sind Sie zu diesem Hotel gekommen?
Zuerst war ich Bäcker/Konditor. Dann bin ich bei ziemlich berühmten Köchen arbeiten gegangen. Als ich 24 war, wurde ich Chef im Hotel Traube von nebenan. 2 Jahre habe ich das Hotel selber geführt doch dann wurde es leider verkauft. Ich konnte es nicht kaufen, obwohl ich gerne wollte, denn ich hatte zu wenig Geld. Mit Herrn Baumgartner zusammen fing ich im Sommer 1999 im Hotel „Belvedere" an.

Wie viele Angestellte haben Sie im Hotel „Belvedere"?
Im Hotel arbeiten momentan 40 - 42 Personen.

Wie viele Schweizer/innen oder Ausländer/innen?
Wir haben wenig Schweizer. Wir haben die Nationen Deutschland, Österreich, Italien, Portugal, Spanien, Jugoslawien, Südafrika und Schweiz.

Leben Angestellte im Hotel? Wenn ja, wie?
Ja, die meisten wohnen in einem der 20 Zimmer. Jeder hat sein eigenes Zimmer und jedem ist es frei, ob er im Hotel wohnen will.

Woher kommen Ihre Touristen?
70 -80 % der Touristen sind Schweizer. Es kommen aber auch viele Italiener, Österreicher und Franzosen. Weniger sieht man im Hotel Deutsche und Amerikaner.

Verkehren auch prominente Gäste bei Ihnen?
Ja, zum Teil schon. Aber ich halte mich nicht viel unter den Gästen auf. Und bei mir ist Gast Gast.

Gibt es Saisonale Unterschiede bei den Besucherzahlen?
Ja. Im Sommer ist das Hotel generell weniger voll. Im Durchschnitt ist das Hotel im Sommer ca. zu 80% voll. Im Winter ist Hauptsaison, folglich ist unser Hotel zu 95% voll belegt. Im Sommer kommen eher ältere Leute und im Winter die Jungen und Familien.

Wie genau sieht ihr Tagesablauf aus?
Mein normaler Tagesablauf sieht etwa so aus: Um 8 Uhr fange ich an zu arbeiten. Ich schaue nach, ob ich noch etwas bestellen muss. Doch meistens ist dies nicht der Fall, denn die Bestellungen erledigen wir normalerweise am Vortag. Dann bespreche ich mit den anderen Köchen das Menu von heute. Anschliessend erledige ich die Vorbereitungen fürs Menu. Danach habe ich eine halbe Stunde Zeit, um selber etwas zu essen. Zwischen 12 und 14 Uhr läuft dann der Service. Von 14 - 16 Uhr habe ich Zimmerstunden. Dann gehe ich schwimmen oder mache sonst was. Um 17 Uhr muss ich das Essen für die Mitarbeiter kochen. Um 18: 30 Uhr kommen die Gäste essen. Manchmal bestellen Gäste auch a la carte. Dies beansprucht noch mehr Zeit, weil man für diese Gäste auch noch kochen muss. Um 21: 30 Uhr ist das Abendessen fertig und das Küchenpersonal muss die Küche noch putzen. Um ca. 22 Uhr ist mein Arbeitstag fertig.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf?
Mir gefällt es, dass man als Koch nie ausgelernt hat. Man erfindet immer neue Kombinationen. Man kann immer Neues ausprobieren. Das gefällt mir wirklich sehr. Auch gefällt mir, dass wir unsere Lebensmittel stets frisch zubereiten. Wir benutzen selten Esswaren aus der Büchse oder Fertigprodukte.

Sind die auch manchmal gestresst?
Ja, das kommt oft vor. Meinstens so zwischen 19 und 22 Uhr, und wenn das Hotel voll belegt ist auch.

Wieviel verdienen Sie?
Die in der Küche verdienen etwa 6000.- pro Monat und die im Service etwa 5000.-Trinkgeld bekomme ich eigentlich keines, sondern nur der Service. So gleicht sich das einigermassen wieder aus. Manche Gäste geben auch Geld an der Reception ab. Dieses Geld kommt in eine spezielle Kasse, die Ende Jahr unter allen Mitarbeitern gleichmässig verteilt wird. Früher war das Leben eines Hotelangestellten sehr hart. Das Essen war von schlechterer Qualität als das der Gäste und mengenmässig weniger.

Sind sie mit dem Essen zufrieden?
Ja. Das Essen wurde extrem besser. Als Koch bekommt man heute auch vorgeschrieben, wie man dem Personal kochen muss. Wenn manchmal Resten übrig sind, bekommt das Personal diese Resten. Am Samstag gibt es immer ein Dessertbuffet. Wenn es dort Resten gibt, nimmt das Personal diese Resten sogar freudig an.

Fabienne Gugelmann und Sara Mosimann


zurück erstellt am 15.06.2008