Auf mannigfaltigen Wegen durchs Zürcher Oberland

Eine Lehrerschaft mit einem abwechslungsreichen Ausflugsprogramm zufrieden zu stellen, ist nicht immer ganz einfach. Zwei Vertreterinnen der Sekundarschulpflege Elgg ist dies bestens gelungen.

Am Samstagmittag führte ein auffallendes Postauto die illustre Reiseschar, zusammengesetzt aus Mitgliedern der Schulbehörde, einer Grosszahl von Lehrerinnen und Lehrern sowie dem Personal aus dem rückwärtigen Dienst in einer zügigen Fahrt an die südlichen Gestade des Greifensees. Der Apéro bei der Schifflände in Maur musste aber vorerst mit einem gut dreiviertelstündigen Fussmarsch verdient werden. Jedenfalls blieb dabei genügend Zeit, bei ungezwungenen Gesprächen die Schulalltagsprobleme hinter sich zu lassen und sich - notabene unbehelligt von Fluglärm - an der erblühenden Natur zu erfreuen.

Wer nun geglaubt hatte, ein bereitstehendes Schiff würde die Ausflügler an jenem sonnigen, aber frischen Nachmittag über den See führen, sah sich zum erstenmal jäh getäuscht. Chauffeur Peter Steiger lenkte den 50-plätzigen Car abseits der üblichen Verkehrsachsen zurück ins Zürcher Oberland.

Lohnenswerte Besichtigung


Ein erstes Geheimnis war gelüftet, als sich beim Industrieensemble Neuthal bei Bäretswil mehr als nur ein Zwischenhalt abzeichnete. Ein trutziges, quer im Tal stehendes Fabrikgebäude nahm den Blick gefangen und übt selbst auf den regelmässigen Besucher eine eigenartige Faszination aus, zumal beim Vorbeifahren das Ensemble mit den verschiedenen Baustilen kaum wahrgenommen wird. Was waren das für Menschen, die in einer solchen Abgeschiedenheit und hügeligen Landschaft diesen beeindruckenden Gebäudekomplex erstellten und dort arbeiteten?

Zwei Führer mit kompetentem Fachwissen konnten viele Fragen klären und hatten sich über die interessierte Lehrerschaft in der ungewohnten Rolle als aufmerksame Zuhörerinnen und Zuhörer keineswegs zu beklagen. Während sich die eine Gruppe zur Führung im Fabrikgebäude entschlossen hatte, liess sich eine andere Gruppe über die Nutzung der Wasserkraft orientieren.

Geblieben sind beiden das Staunen und der Respekt über das von den Industriepionieren Geschaffene, aber auch was der Nachwelt mit viel Liebe erhalten worden ist.

Gewollte Odyssee


Die allseits geschätzte geistige Nahrung liess allerdings den Wunsch nach leiblichen Genüssen nicht ganz versiegen. Ein rund halbstündiger Fussmarsch nach Bauma gab diesem Verlangen zusätzlichen Auftrieb. Doch wer geglaubt hatte, ein Restaurant als Objekt der Begierde würde auf direktem Wege angesteuert, sah sich zum zweitenmal getäuscht. Offenbar hatten es die verantwortlichen Reiseleiterinnen darauf abgesehen, die knurrenden Mägen noch etwas hinzuhalten. Über verschlungene Nebenstrassen führte die Busfahrt durchs Zürcher Oberland, wie es ansonsten nur bei Nacht und Nebel geschehen kann. So blieben den Spekulationen über die bevorstehende Destination Tür und Tor offen. Den Reiselustigen flogen die verschiedensten Ortsnamensschilder nur so vorbei, eine zusätzliche Gelegenheit, Geografiekenntnisse zu erweitern. Schliesslich erwiesen sich vermutete Zielorte wie Hasenstrick, Rosinli oder Pfäffikon allesamt als falsch. Bei einem Landgasthof in Steg wurde zum Aussteigen gebeten, wo sich die heitere Gesellschaft bis gegen die mitternächtliche Stunde noch sichtlich wohl fühlte, dann aber gestärkt, mit vielen Eindrücken sowie Begegnungen bereichert und in fröhlicher Stimmung die Heimfahrt antreten konnte.

Kurt Lichtensteiger