Bericht Elgger-Zeitung

Elgger Sekundarschüler profitieren vom Berufswahlparcours
Die Idee von einem Berufswahlparcours für die Zweitklässler der Sekundarschule Elgg kam von Barbara Fehr. Zusammen mit den Firmen aus dem Handwerker- und Gewerbeverein organisierte sie einen Schnuppertag für die Jugendlichen, welchen Einsicht in die verschiedensten Berufe ermöglicht wurden.

ELGG – Barbara Fehr führte mit ihrer Klasse schon im vergangenen Jahr einen Berufswahlparcours durch. Nun hat sie diesen für alle Klassen der zweiten Sekundarschule zusammen mit Firmen aus Elgg und Umgebung organisiert.

Unterstützung von Firmen
Seit vergangenem Sommer ist Barbara Fehr verantwortlich für die Berufswahl der Sekundarschule Elgg. Mit grossem Engagement und vielen Gesprächen legte sie den Grundstein für den Berufswahlparcours. Verschiedene Gespräche mit den jeweiligen Firmen in Elgg und Umgebung ergaben ein positives Echo. Barbara Fehr schätzt es sehr, dass sich die Firmen Zeit nehmen, um den Jugendlichen einen Einblick in die verschiedenen Berufswelten zu ermöglichen.

Arbeitsreicher Mittwoch
Am vergangenen Mittwoch war es dann soweit. Die Jugendlichen aus den Klassen von Barbara Fehr, Trix Menzi, Werner Barth und Hanspeter Herzog konnten je einen halben Tag in einer Firma ihrer Wahl „schnuppern“. Die Elgger Zeitung nutzte die Gelegenheit, einigen Schülerinnen und Schülern, aber auch den Lehrmeistern über die Schulter zu schauen.

Begeisterung auf Seiten der Lehrpersonen
Schulleiter Daniel Ehrismann findet das Projekt Berufswahlparcours sehr gut. Er hofft, dass der Berufswahlparcours beim einen oder anderen Jugendlichen dazu führt, dass aus dem Schnuppertag eine Schnupperwoche wird. Das Gewerbe hat ebenfalls die Möglichkeit, sich bei den Schülerinnen und Schülern zu präsentieren. Unter dem Strich können alle nur profitieren vom Berufswahlparcours. Einen besonderen Dank spricht Daniel Ehrismann den zahlreichen Firmen aus, welche sich für den Berufswahlparcours einschrieben.
In einem Gespräch während des Berufswahlparcours erzählte Werner Barth, dass er von Ort zu Ort gehe und sich ansehe, was die Jugendlichen in den jeweiligen Firmen machen. Der erste Eindruck sei gut, die Schülerinnen und Schüler haben Freude daran. Am Projekt beteiligen sich rund 45 Firmen und über 50 Jugendliche.
Werner Barth zeigt sich erfreut ob der Tatsache, dass sich die Firmen gut vorbereitet haben auf den Berufswahltag. Der Austausch zwischen den Schülern und den Arbeitern fände statt. Die Jugendlichen interessieren sich für den Beruf und stellen auch dementsprechende Fragen. Wichtig sei die Vielfalt der Berufe aufzuzeigen und den Schülerinnen und Schülern einen Einblick in die Berufswelt zu gewähren. Er sei gespannt auf die Reaktionen der Schüler.
Weitere Bilder und Berichte vom Berufswahlparcours können unter www.sek-elgg.ch angesehen werden.

BRIGITTE KUNZ
Bildlegende
1) Roger Frauenknecht, Zwei-Rad-Sport in Elgg, begrüsst einen solchen Tag für die Jugendlichen. Er meint jedoch, dass in der Schule das Thema Berufswahl zu spät angegangen werde. Eigentlich müssten die Schüler bereits in der ersten Sekundarschule die Möglichkeit haben, sich ihr Berufsziel näher anzusehen. Er hat sich sehr gefreut, dass auch ein Mädchen zu ihm gekommen ist. Da er ebenfalls als Prüfungsexperte tätig sei, wisse er, dass Mädchen, welche den Beruf eines Motorradmechanikers erlernen, ihre Lehre sehr gut abschliessen. Er selbst beschäftigt einen Lehrling. Die Ausbildung als Motorradmechaniker dauert vier Jahre.
2) Cathérine Rapp aus Hagenbuch sah sich bei Roger Frauenknecht den Beruf als Motorradmechanikerin an. Sie weiss jedoch, dass dieser Beruf eher nichts für sie sein wird. Sie könne auch noch nicht sagen, in welche Richtung sie einen Beruf erlernen wolle. Nachmittags schaue sie sich noch MPA an.
3) Moritz Oppliger als Elgg war beim Besuch der Elgger Zeitung im 2 Rad-Center Edi Kägi gerade daran, mit der Eisensäge einen Teil für das Fahrrad zu bearbeiten. Er wollte einfach einmal sehen, was ein Velomechaniker mache. Es gefalle ihm gut. Nachmittags schaue er sich noch den Beruf des Multimediaelektronikers an. Er habe bereits eine Schnupperlehre als Tontechniker gemacht. Dieser Beruf könne aber erst als Zweitberuf gewählt werden.
4) Edi Kägi findet den Berufswahlparcours sehr gut. Man könne nicht früh genug damit beginnen, in die verschiedenen Berufe hinein zu schauen. Er bildet im Moment keine Lehrlinge aus.
5) Debora Sicilia aus Hagenbuch (zweite von rechts) sah sich nachmittags bei der Druckerei Wälchli um. Der erste Eindruck war positiv, es gefalle ihr. Zuvor war sie in der Drogerie Keller, aber das sei nichts für sie, obwohl es ihr gefallen habe. Ihr Traumberuf sei Visagistin. Aber dieser Beruf könne sie nur mit einer Zweitausbildung ausüben. Sie hat bereits eine Schnupperlehre als Maskenbildnerin gemacht.
Ueli Wälchli (Bildmitte) beschäftigt in seiner Firma sieben Personen, inklusive Chef. Momentan seien zwei Lehrlinge bei ihm tätig, der eine schlisse im Sommer seine Lehre ab. Die neue Lehre als Drucktechnologe mit Ausrichtung Siebdruck dauert vier Jahre. Es sei sehr wichtig, dass er mit seiner Firma immer auf dem neusten Stand sei. Eben habe er eine neue Maschine aus Amerika gekauft.
Er selbst findet den Berufswahlparcours eine sehr gute Sache. In Elgg habe man so viele Firmen quasi vor der Haustür. Mit relativ kleinem Aufwand können sich die Jugendlichen viele Berufe ansehen, und das erst noch, ohne eine Bewerbung dafür zu schreiben. Leider reiche die Schulbildung eines Sek C Schülers nicht aus für eine Lehre im Druckbereich.

6) Mario Metzger vom Typoprint findet es gut, dass den Jugendlichen Einblick in verschiedene Firmen gewährt wird. Er habe einen Zweimann-Betrieb. Seine Tochter sei auch gerade daran, eine Lehrstelle zu suchen. Für ihn sei es geradezu Pflicht, sich für den Einblick in die graphische Branche zur Verfügung zu stellen. Zurzeit hat er keine Lehrlinge, könnte aber einen Polygrafen ausbilden. Der Polygraf arbeite hauptsächlich am Computer. Die Ausbildung dauert vier Jahre. Die Ausbildung in Richtung Mediengestaltung gehe sehr in den gestalterischen Bereich. Er selbst habe noch die Umstellung vom Blei- zum Filmsatz erlebt. Seit vier Jahren ist er mit seiner Firma in Elgg ansässig.
7) Urs Büchi, Heurüti, konnte bei Mario Metzger, Typoprint, eigene Visitenkarten kreieren. Er weiss noch nicht, was er einmal lernen will. Morgens war er bei der Zürcher Landbank. Da hat es ihm sehr gut gefallen. Demnächst möchte er eine Schnupperlehre als Architekturmodellbauer absolvieren.
8) Melanie Bachmann aus Sammelsgrüt sah sich den Beruf der Coiffeuse beim Coiffeur zur Eintracht an. Es sei lässig, obwohl sie noch nicht viel machen konnte. Zuvor schaute sie sich den Detailhandel im Coop an, was ihr auch gut gefallen habe.
9) Jasmin Klöti, welche Melanie Bachmann im Coiffeurgeschäft zur Eintracht betreute, findet den Berufswahlparcours eine gute Sache. Man könne an einem Tag gleich zwei Berufe kennen lernen. Innerhalb eines halben Tages sehe man nicht viel vom Beruf, aber das Wichtigste bekommen die Jugendlichen schon mit.
10) Lukas Büchi (rechts im Bild) und Selina Tobler (links im Bild) aus Elgg waren im Architekturbüro von Ah / Imfeld anzutreffen. Sie haben einen ersten Einblick in die Firma bekommen und können mit dem Lehrling dessen Beruf näher anschauen.
Lukas Büchi sah sich morgens bei der Firma Typoprint um. Es habe ihm gefallen und sei nicht so streng gewesen. Selina Tobler war mit der Firma Schöchli auf der Baustelle. Sie konnte beim Malen mithelfen, was ihr gefallen hat.
Philipp von Ah vom Architekturbüro von Ah / Imfeld (Bildmitte) findet es super, dass die Jugendlichen anlässlich des Berufswahlparcours einen ersten Eindruck eines Berufes erfahren können. Die Jugendlichen seien unser Kapital, welchem wir Sorge tragen müssen. Die Firma von Ah / Imfeld bildet alle zwei Jahre einen Lehrling aus. Die Lehre als Zeichner Fachrichtung Architektur dauert vier Jahre. Geeignet seien Sek A Schüler oder sehr gute Sek B Schüler.
Heute nehme sich ihr Lehrling Zeit für die Schülerinnen und Schüler und erkläre ihnen seine Arbeit. Auch durften die Jugendlichen mit auf Baustellen in Häuslenen und Waltenstein. Er habe auch einen Schüler mitgenommen zur Primarschule. Er konnte zuerst das Projekt auf CAD anschauen und dann das gleiche Projekt auf der Baustelle. Es seien auch interessante Fragen seitens der Schülerinnen und Schüler gekommen. Sie seien sehr interessiert.

11) Siro Küenzi (links im Bild) schaute sich in der Metzgerei Würmli den Beruf des Fleischfachmannes an. Er war gerade mit der Fleischverarbeitung beschäftigt. Das gefiel ihm. Morgens hat er sich den Beruf als Forstwart angesehen. Das gefiel ihm ebenfalls gut.
Andreas Würmli von der Metzgerei Würmli in Elgg (rechts im Bild) findet den Berufswahlparcours eine gute Sache. Vor allem wusste früher jeder, was er lernen will, heute haben die Jugendlichen keinen Plan, was aus ihnen werden soll. Er war morgens mit den Schülern in Frauenfeld und hat sich mit ihnen einen Produktionsbetrieb angeschaut. Alle drei Schüler seien aufgestellt gewesen und haben auch Fragen zum Beruf gestellt. Andreas Würmli schätzt es sehr, dass die Schule einen Berufswahlparcours organisiert. Besonders gefreut habe ihn, dass auch die jeweiligen Lehrpersonen in den Firmen vorbei geschaut haben. Ob es jedoch die Aufgabe der Schule sei, die Jugendlichen auf dem Weg ins Berufsleben zu begleiten, sei in Frage gestellt.
In der Metzgerei Würmli könnten elf Lehrberufe ausgebildet werden. Für den Fleischfachmann benötige ein Lehrling den Sek A Abschluss oder einen sehr guten Sek B Abschluss. Ansonsten haben die Jugendlichen keine Chance, den Beruf überhaupt zu erlernen. Eine handwerkliche Begabung sei sowieso Voraussetzung. Momentan bildet die Firma Würmli vier Lehrlinge aus. Die Jobs werden, so Andreas Würmli, je länger desto anspruchsvoller.

12) Stephan Schild, Holzbau, war mit seinen Schülern auf dem Bau oder im Geschäft unterwegs. Er hatte vier Jugendliche zu betreuen, wobei sein Arbeiter jeweils noch einen Schüler am Morgen und am Nachmittag mit nahm. Sein Lehrling habe sich auch ins Zeug gelegt und habe für die Jugendlichen viel gemacht. Diese konnten in seinem Betrieb auch praktische Arbeiten ausführen.
Stephan Schild findet den Berufswahlparcours eine gute Sache. Seinen Jugendlichen habe es jedenfalls auch gefallen. Er würde sofort wieder mitmachen bei einem weiteren Projekt dieser Art.

13) Abends gewährte auch noch Köbi Hösli vom Restaurant Eintracht Einblick in die Küche. Als Koch oder Serviceangestellte konnten auch bei ihm erste Berufseindrücke geholt werden. Er findet die Idee vom Berufswahlparcours gut, habe jedoch keine Zeit, Lehrlinge auszubilden. Sein kleiner Betrieb sei für die Ausbildung von Lehrlingen nicht geeignet. Aber er habe schon oft Schnupperlehrlinge gehabt.
14) Initiantin Barbara Fehr zeigte sich einen Tag nach dem Berufswahlparcours sehr zufrieden. Der Tag sei nach ihren Eindrücken erfolgreich verlaufen. Die Jugendlichen haben sicher etwas gelernt. Und wenn es ihnen nicht gefallen habe, hätten sie sicher nichts verloren. Sie bedankt sich bei allen beteiligten Firmen für deren Unterstützung.

Bilder: Brigitte Kunz